Für viele Eltern ist es ein Alptraum, wenn sie während der Schwangerschaft die Diagnose Down-Syndrom erhalten. Doch ist es wirklich so schlimm oder vielleicht auch eine Chance auf einen neuen tollen Lebensabschnitt?

Wurden bis in die 1980er-Jahre hinein unter 1000 Neugeborenen noch statistisch zwei Kinder mit Down-Syndrom registriert, ist diese Zahl bis heute deutlich gefallen und das obwohl die medizinischen Möglichkeiten, aber auch die Förderangebote nie besser waren. Heute liegt die Anzahl der Babys mit Down-Syndrom rechnerisch bei weniger als einer unter 1000 Geburten. Dabei ist der Anteil der Menschen mit Trisomie 21 in der Bevölkerung an sich gestiegen.

Wie Experten mit Blick auf die Entwicklung betonen, hat die Lebenserwartung von Menschen mit Down-Syndrom stark zugenommen. Heute können Männer und Frauen durchaus ein Alter von bis zu 70 Jahren erreichen.

Doch woher kommt diese Unsicherheit und warum entscheiden sich viele Eltern für die Abtreibung, wenn sie die Diagnose Down-Syndrom erhalten?

Die Gründe hierfür sind verschieden und jede Abtreibung stellt für die Eltern, nicht zuletzt aber auch für die Mediziner eine ethische Gratwanderung dar. Zumal der Gesetzgeber unter diesen Voraussetzungen auch Spätabtreibungen zulässt.

Während Kinder mit Down-Syndrom heute nur selten die Chance auf Leben bekommen, setzte sich in der Vergangenheit und das über Jahrhunderte hinweg ein positives Bild durch. Vor allem aufgrund ihrer Persönlichkeit trafen Trisomie-21-Patienten auf Zuspruch.

Den brachialen Imagewandel verschuldete schließlich die NS-Diktatur, unter der Kinder und Erwachsene mit Down-Syndrom ermordet wurden. Auch in der DDR gab es enorme Ängste und Vorbehalte. Im „Osten“ wurden die Kinder in Heimen unter staatlicher Obhut erzogen.

Mit dem Alter der werdenden Mutter steigt das Risiko

Wie ein schwarzer Schatten begleitet die Angst vor dem Down-Syndrom die Schwangerschaften vieler Frauen. Doch wie wahrscheinlich ist es rechnerisch ein Kind mit Trisomie 21 zu gebären?

Genetische Auffälligkeiten sind bei einem von rund 600 Kindern bei der Geburt nachweisbar. Dabei steigt das Risiko mit dem Alter der Mutter erheblich an.

Schon ab einem Alter von 35 Jahren ist das Risiko für das Kind, mit Trisomie 21 zur Welt zu kommen, stark erhöht. Die Ursache hierfür liegt in der Zellteilung. Diese ist mit zunehmendem Alter anfälliger für Störungen.

Rechnerisch liegt die Wahrscheinlichkeit bei einer 40 Jahre alten Frau bei 1:100.

Welche Auswirkungen hat Trisomie 21 auf das Leben des Kindes?

Bevor sich Eltern für eine Abtreibung und damit auch gegen das Kind entscheiden, ist es ratsam, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. So solltest du berücksichtigen, dass sich die medizinischen Möglichkeiten und die Förderangebote für Kinder mit Down-Syndrom in den letzten Jahren gravierend verbessert haben.

Down-Syndrom-Kinder decken eine große Bandbreite an Entwicklungsszenarien ab.

Es gibt Kinder, die ein Leben lang auf Hilfe angewiesen sind, es gibt aber auch viele Patienten, die eine ähnliche Intelligenz haben wie die Normalbevölkerung.

Die medizinischen Szenarien gehen darüber hinaus oft von den gravierenderen Fällen aus. Ein Kind mit Trisomie 21 hat im Alter von zwei Jahren in etwa den Entwicklungsstand eines 12 bis 14 Monate alten Kindes erreicht, das nicht behindert ist. Dieser Abstand nimmt im Laufe der Zeit zu. So beginnen viele Down-Syndrom-Kinder erst im Alter von etwa fünf bis sechs Jahren Zweiwortsätze zu sprechen.

Nicht nur auf die geistige Entwicklung hat das Down-Syndrom-Einfluss. Oft zeigen sich Auswirkungen auch beim physischen Gesundheitszustand. So hat fast jedes zweite Kind mit Down-Syndrom mit einem Herzfehler zu kämpfen.

Geduld ist das A und O

Obwohl die medizinischen Einschränkungen gravierend klingen, können Eltern entspannt sein. Die meisten Menschen mit Down-Syndrom lernen nämlich im Laufe ihrer Kindheit wie beinahe jedes andere Kind lesen und schreiben. Einige können als Erwachsene ein selbständiges Leben führen und sogar einer Arbeit nachgehen.

Viele Trisomie-21-Patienten erreichen ihren Schulabschluss.

Eltern eines Kindes mit Down-Syndrom brauchen vor allem eins: Geduld – vielleicht ein wenig mehr als die Eltern eines gesundes Kindes. Die Jungen und Mädchen, die mit Trisomie 21 zur Welt kommen, lernen nicht nur viel langsamer, sondern sind auch in ihren Handlungen langsamer. Letzteres ist in erster Linie einer verminderten Muskelspannung geschuldet. Durch sie fühlen sich die Betroffenen oft unsicher, was auch in ihren Bewegungsabläufen und Handlungen zu erkennen ist.

Pränataldiagnostik – Fluch und Segen zugleich

Viele schwangere Frauen nehmen die Angebote der Pränataldiagnostik heute routinemäßig in Anspruch. Durch modernste Untersuchungsmethoden ist es möglich, Behinderungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen schon früh zu erkennen. Was für Eltern, bei denen ein höheres Risiko vorhanden ist, einen wahren Segen darstellt, ist zugleich auch Fluch.

Die Pränataldiagnostik suggeriert vielen Frauen vor allem eins: Es ist normal, dass das eigene Kind gesund ist. Behinderungen gelten oft nicht mehr wie früher als Besonderheiten, sondern als vermeidbares Übel.

Wer jedoch auch nach der Diagnose Down-Syndrom den Mut hat, sich für das Kind zu entscheiden, ist in der Gesellschaft einem unangenehmen Spießrutenlauf ausgesetzt, der vor allem die Frage nach der fehlenden Diagnose und Feststellung beinhaltet.

Dabei sind Menschen mit Trisomie 21 unheimlich freundlich und offen. Sie haben eine ausgezeichnete Sozialkompetenz und schaffen es mit den bereitstehenden Fördermöglichkeiten sich hervorragend in das gesellschaftliche Leben zu integrieren!

Gesetzgeber versucht Panikreaktionen zu verhindern

Einige Eltern, die in der Schwangerschaft die Diagnose Down-Syndrom erhalten, befinden sich in einer Art Schockzustand, in dem sie zu Panikreaktionen neigen. Zwar sind in diesem Fall auch Spätabtreibungen nach der 20. Schwangerschaftswoche möglich, doch der Gesetzgeber hat sich im Mai 2009 für neue Regelungen entschieden. Mit ihnen sollen vor allem Panikreaktionen vermieden werden.

Demnach muss laut Paragraph 218 ein Arzt eine Frau, die die Diagnose Down-Syndrom erhält, zunächst umfassend beraten. Anschließend müssen der Schwangeren drei Tage Bedenkzeit eingeräumt werden. Erst im Anschluss kann ein Schwangerschaftsabbruch erfolgen.

Eine Entscheidung fürs Leben

Erhalten Eltern in der Schwangerschaft die Diagnose Down-Syndrom, liegt es in ihren Händen, ob ihr Kind zur Welt kommen wird oder ob ein Schwangerschaftsabbruch erfolgt. Es ist nicht leicht diese Entscheidung zu treffen, sodass sie keinesfalls von einem Moment auf den Nächsten gefällt werden sollte.

Obwohl sich die medizinischen Möglichkeiten und die Fördermöglichkeiten erheblich verbessert haben, ist die Zahl der Neugeborenen mit Down-Syndrom erheblich zurückgegangen. Gründe hierfür sind zum einen die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik, zum anderen aber auch die gesellschaftliche Einstellung, die in erster Linie auf Leistung abzielt.

Dabei schaffen es viele Patienten mit Trisomie 21 langfristig ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Auch wenn Sie für Fertigkeiten wie Lesen und Schreiben länger brauchen, lernen sie es im Laufe der Schulzeit. Und eines haben Eltern gesunder Kinder und derer mit Down-Syndrom gemeinsam: Sie brauchen vor allem Geduld und Gelassenheit, um ihren Nachwuchs den Weg gehen zu lassen, den sie möchten.

Bist du vielleicht in der Situation schwanger zu sein und die Diagnose bekommen zu haben? Ich würde mich freuen, wenn du deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren teilst. Mir war in einer ähnlichen Situation und kann es daher auch sehr gut nachempfinden.