Es ist der Albtraum werdender Eltern – im Mutterleib, durch eine Fehlgeburt oder durch gesundheitliche Beeinträchtigungen kurz nach der Geburt wird aus dem geliebten Kind ein Sternenkind. Aus der Vorfreude auf das Leben als Familie entwickelt sich tiefste Trauer, der Eltern nicht immer ohne weiteres entfliehen können. Doch was sind Sternenkinder? Wie ist die Gesetzeslage in Deutschland und wie können Eltern den damit verbundenen tiefen Schmerz überwinden?

In diesem Artikel möchte ich ein wenig über Sternenkinder schreiben.

Oft kommen Sternenkinder zwischen der 20. Schwangerschaftswoche sowie dem möglichen Geburtstermin zur Welt. Die eigentlich scheinbar zunächst gesunden Kinder sterben im Mutterleib oder während bzw. nach der Geburt. Für die Eltern ist diese Situation eine besondere Herausforderung.

Sterben die Kinder im Mutterleib, müssen sie nach einer Geburtseinleitung zur Welt gebracht werden. Die Zeit danach gehört dem Abschied und der Möglichkeit, ganz eigene Erinnerungen zu schaffen.

Fehlgeburten – tiefer Einschnitt ins Gefühlsleben

In den ersten drei Monaten ist das Risiko einer Fehlgeburt bekanntlich am höchsten. Grundlegende Befruchtungsstörungen, aber auch Störungen bei der Einnistung in die Gebärmutter können einen Abort und damit den Verlust des geliebten Kindes herbeiführen. Oft werden Fehlgeburten während dieser Zeit gar nicht von den Frauen bemerkt.

Anders ist es im zweiten Schwangerschaftsdrittel.

Auch nach der 12. Schwangerschaftswoche besteht das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden. Ab der 12. Schwangerschaftswoche müssen Frauen, deren Kind im Mutterleib gestorben ist, dieses auf natürlichem Weg gebären.

Was sich im ersten Moment nach einem unsagbaren Schmerz anhört, ist für viele Betroffene der erste und ein ebenso unerlässlicher Schritt auf dem Weg des Abschiednehmens.

Doch warum müssen Frauen diesen Weg gehen?

Ab der 12. Schwangerschaftswoche ist der Fötus im Mutterleib bereits zu groß, um ausgeschabt zu werden. Deswegen wird die Geburt hier mit Medikamenten eingeleitet.

Es gibt in Deutschland keine genauen Zahlen über Fehlgeburten, denn es gibt bis heute keine standesamtliche Meldepflicht.

Lange haben betroffene Eltern aber dafür gekämpft, dass sie ihren verlorenen Kindern, die weniger als 500 Gramm bei der Fehlgeburt wogen, einen Namen geben und damit auch eine Beisetzung ermöglichen zu können. Seit 2013 besteht diese Chance bundesweit.

Die Eltern der Sternenkinder können seit diesem Jahr ihr verlorenes Kind beim Standesamt registrieren lassen. Dort ist auch die Festlegung eines Namens möglich.

Wann ist von einer Totgeburt die Rede?

Mediziner unterscheiden zwischen Fehl- und Totgeburt. Auf die Trauer der Eltern hat das keinen Einfluss. Von einer Totgeburt wird oftmals dann gesprochen, wenn das Kind bereits mehr als 500 Gramm wiegt als es geboren wurde. Kinder mit weniger als 500 Gramm gelten als Fehlgeburten.

Sterben Kinder während der Geburt, ist oft auch dann von einer Fehlgeburt die Rede.

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Kind während der Geburt zum Sternenkind wird. Wickelt sich die Nabelschnur beispielsweise um den Hals des Kindes, kann die Sauerstoffversorgung unterbrochen werden, wodurch das Kind erstickt. Auch schwere Fehlbildungen oder Infektionen der Mutter können für das Baby tödlich enden.

Dies gilt auch für Erkrankungen der Mutter, zu denen beispielsweise Bluthochdruck und Diabetes gehören.

Ist ein Kaiserschnitt eine Option?

Für Mediziner steht meist fest: Hat eine Frau ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel eine Fehlgeburt erlitten, bleibt nur die natürliche Geburt. Für die Betroffenen ist der Weg schwer. Doch Mediziner sind sich einig, dass Frauen aufgrund eines Kaiserschnitts infolge einer Fehlgeburt nicht einem zusätzlichen Risiko ausgesetzt werden sollten.

Heute wird oft unterschätzt, dass es sich bei dem Kaiserschnitt um eine schwere Bauchoperation handelt. Von dieser bleiben Narben zurück – Narben, die sich später nicht nur am Bauch, sondern auch in der Seele der betroffenen Frauen wiederfinden können. Durch die Operationsnarben würde sie immer wieder an die Fehlgeburt erinnert werden, der seelische Schmerz wäre unvorstellbar.

Viele Frauen berichten im Anschluss an die natürliche Geburt, dass diese ihnen zudem dabei geholfen hat, das Geschehene zu verarbeiten.

Jeder trauert anders

Jedes Paar geht anders mit dem Verlust des Kindes um. Oft reagieren sogar die Eltern an sich unterschiedlich. Noch immer sind Sternenkinder eine Art Tabuthema. Die Gesellschaft meidet es, darüber zu reden und oft berichten auch betroffene Eltern, dass sich Bekannte von ihnen nach dem Ereignis abwenden.

Vereine, die es bundesweit gibt, helfen Betroffenen das Erlebte zu verarbeiten.

Ein wichtiger Teil der Trauerarbeit kann die Beerdigung sein. Seit 2013 dürfen Eltern in Deutschland ihre Sternenkinder beerdigen.

Doch es gibt einige Besonderheiten.

Sternenkinder, die weniger als 500 Gramm wogen, können vom Standesamt seit der Gesetzesänderung offiziell beurkundet werden. Erst damit haben sie auch ein Recht auf eine letzte Ruhestätte, die ihnen damit offiziell zusteht.

Vor dem neuen Gesetz bestand zwar auch in Deutschland die Möglichkeit, ein Sternenkind zu beerdigen, oft war das aber nur anonym möglich. Der Gesetzgeber sah in diesem Fall lediglich eine „hygienische einwandfreie Entsorgung“ vor. Für die betroffenen Eltern hat sich mit dem neuen Gesetz viel getan. Sie können nun auf einem Friedhof ihrer Wahl ihr Sternenkind beerdigen lassen.

Neben der Beerdigung ist für die betroffenen Eltern Trauerbegleitung durch Familie und Freunde wichtig.

Doch was sich nach einer Selbstverständlichkeit anhört, ist auch für sie eine besondere Herausforderung, denn auch sie stehen nach dem Erlebten oft unter Schock. So macht sich hier schnell Unsicherheit breit, wie sie mit dem Erlebten umgehen sollen. Dabei sollten sie vor allem eins: sich Zeit nehmen, um den Eltern zuzuhören.

Für die betroffenen Eltern ist es eine große Erleichterung, wenn sie in der Zeit der Trauer nicht allein sein. Freunde und Familienangehörige müssen dabei das Schweigen ebenso aushalten wie tiefe Trauer und Aggressivität, die sich bei vielen Betroffenen ausbreitet.

Es gibt einige Rituale, die den Eltern dabei helfen können, den Schmerz zu überwinden. So besteht in den Stunden direkt nach der Geburt die Möglichkeit, das Sternenkind in Fotos festzuhalten. Es gibt deutschlandweit einige Fotografen, die sich diesem sensiblen Thema widmen und für Eltern damit kostenfrei Erinnerungen schaffen, die ihnen Halt geben, sie aber auch stets an den eigenen kleinen Schatz erinnern werden. Auch das Entzünden einer Kerze kann eine große Erleichterung sein.

Vielen Eltern hilft es, wenn sie in den Wochen nach der Fehl- oder Totgeburt umsorgt werden. Eine wärmende Suppe aus der Nachbarschaft ist ebenso viel Wert wie die innige Umarmung eines Angehörigen. Ein bewusster und individueller Abschied ist wichtig. Ohne diesen können viele Frauen den Verlust nicht verkraften und suchen im Unterbewusstsein ein Leben lang nach dem Kostbarsten, das sie verloren haben.

Dass man auch nach einer Fehlgeburt den Kopf nicht hängen lassen sollte, schreibe ich auch in meinem persönlichen Ratgeber Endlich schwanger werden. Auch erzähle ich in diesem, wie ich doch wieder schwanger wurde und ein weiteres gesundes Kind zur Welt gebracht habe.

Hast du vielleicht auch ein Sternenkind und möchtest deine Erfahrungen mit uns teilen? Dann freue ich mich sehr über einen Kommentar von dir!